Was ich gerade lese:
Richard Rohr: “Die Männerbibel”
Als ich im Herbst 2011 für 2 Tage im Bergischen Land rund um den Altenberger Dom unterwegs war, stieß ich in der christlich-spirituellen Buchhandlung neben dem Dom auf die kurz zuvor erschienene “Männerbibel” des amerikanischen Franziskaners, Lehrers und Mystikers Richard Rohr. Weiter unten habe ich schon sein Büchlein “Pure Präsenz” beschrieben, die nun vorliegende “Männerbibel” ist für mich eine wunderbare Ergänzung meines sipiruellen Praxisalltags.
In 5 großen Kapiteln leitet Rohr mit einer Seite für jeden Tag des Jahres (ohne Datum, einfach durchnumeriert) durch die Welt des Mann-Seins mit all seinen Fragen und verborgenen Antworten, jeweils thematisch fortschreitend von Tag zu Tag. So lese ich z.B. vor meiner morgentlichen Meditation nebeneinander (ich habe am 1. Januar mit Tag 1 begonnen) den Tagestext aus Rohr’s Buch und den aus Sogyal Rinpoche’s “Funken der Erleuchtung”. Die christliche und die tibetisch-buddhistische Inspiration begleitet mich dann durch den Tag, wobei Rohr’s Tagesseite jeweils mit einer oder mehreren Fragen zur Kontemplation endet.
Konstantin Wecker/Bernie Glassman: “Es geht umd Tun und nicht ums Siegen” – Engagement zwischen Wut und Zärtlichkeit
Vor gut einem Jahr habe ich in meinem Blog über die erste Begegnung der beiden in Berlin berichtet, bei der ich dabei war. Von dort ausgehend haben sich die beiden “Rebellen” mehrmals getroffen, und Christa Spannbauer, die das Buch herausgegeben hat, hat sie dabei begleitet.
Das Werk ist mir heute, wenige Tage nach seinem Erscheinen, auf den Tisch geflattert, und ich bin gespannt. Es ist unterteilt in drei Abschnitte, von denen der erste “Zärtlichkeit und Wut” vom Leben und Werk Konstantin Weckers handelt, Teil II von Bernie Glassman und seinem Wirken (”Mitgefühl und Weisheit”) und Teil III Gespräche der beiden unter dem Titel “Revolution der Liebe” beschreibt.
Ich wünsche mir rege Verkäufe dieses Buchs, bin selber sicher, dass es in jeden Bücherschrank eines engagierten, friedliebenden Menschen gehört und freue mich aufs lesen!
Hier ein kurzes Statement zum Buch: Konstantin Wecker auf youTube
Bonn, 26. August 2011
Wolfgang Krahé/Heinz-Jürgen Weigt: “Wie geht es Dir?”
Wie eine Wanderung durch meine Beziehungswirklichkeit habe ich die Lektüre dieses wunderbaren Buches dosiert genossen. Über etwa ein halbes Jahr habe ich immer wieder mal ein Kapitel, ein paar Seiten gelesen und mich von der Intensität und Vielfalt der Frage “Wie geht es Dir” mitnehmen lassen zu meinen Erfahrungen und welche Möglichkeiten ich hier im Buch vorfinde, mich neu zu orientieren. Es ist spürbar, welch große Erfahrung und Kompetenz die Autoren mit großer Achtsamkeit und in angenehmer Sprache in diese Werk einfließen lassen. Besonders die letzten Seiten waren noch einmal wie ein großes inspirierendes Feuerwerk für mich.
Ich wünsche dem Buch wirklich viel Erfolg!
Anne-Ev Ustorf: “Wir Kinder der Kriegskinder: Die Generation im Schatten des zweiten Weltkriegs”
“Ihre Eltern waren Kinder im Zweiten Weltkrieg. Bombenhagel, Zerstörung und Flucht haben viele erlebt. Das wirkt nach – auch auf die eigenen Kinder, die heute zwischen 30 und 50-jährigen: Da ist das Gefühl, sich nicht verwurzeln zu können, die eingeimpfte Sparsamkeit oder das übergroße Sicherheitsbedürfnis der Eltern – Familiengeschichte wirkt lange weiter. Der Bericht über das Lebensgefühl einer ganzen Generation, die im langen Schatten des Krieges aufwuchs.”
So beschrieben im Angebot des Buchhandels. Anne-Ev Ustorf ist Journalistin und beschreibt ohne großes Geplänkel die Folgen des 2. Weltkriegs auf die Generation, der sie (und ich übrigens auch) selber als “Kriegsenkel” angehört. Wenn die Eltern, die den Krieg als Kind erlebten, nicht reden konnten über das, was sie erlebt haben und Jahrzehnte mit sich herum schleppten, dann spiegelt sich das ins Geheimnis gedrängte oft in ihren Kindern wider, die heute als Dreißiger bis Mitt-Fünfziger in den Praxen der Psychotherapeuten und Kliniken auftauchen. Das Buch bringt wertvolle Hintergründe und Beispiele ein, die zum Nachdenken und möglicherweise zum Herantasten an die eigene Familiengeschichte anleiten.
Richard Rohr: “Pure Präsenz”
“Mit diesem Buch legt der Bestsellerautor Richard Rohr die Quintessenz seiner jahrzehntelangen Praxis und Lehre christlicher Spiritualität vor. Das Wesen aller wahrhaften Religion und Spiritualität besteht weder in Bekenntnissen zu irgendwelchen Lehraussagen noch im Befolgen bestimmter Moralvorschriften. Nicht das Anhäufen von Informationen führt zu echter Erkenntnis, sondern eine neue Sichtweise: Im Zustand des Einsseins, im Hier und Jetzt, im reinen Dasein sind das Wahre und das Falsche, das Gute und das Böse, Gott und Mensch nicht länger absolute Gegensätze. Indem wir das dualistische Denken überwinden und lernen, auch mit Paradoxien zu leben, können wir die starren Grenzen auflösen, die immer wieder zu Fundamentalismus und Gewalt führen. Um dauerhaft Glück und Frieden für uns und unsere Mitmenschen zu erreichen, müssen wir sehen lernen wie die Mystiker aller großen Religionen, die zu allen Zeiten wussten: Alles ist eins, das Leben ist pure Präsenz”.
So wird das Buch von einem Internet-Anbieter beschrieben, und ich muss sagen, ich bin beeindruckt von der Dichte, der Klarheit und der interreligiösen Weite, die Rohr – einer meiner bedeutendsten Lehrer – in diesem Buch an den Tag legt. Für mich ein Mystiker der heutigenZeit.
Hier ein youtube-Video, in dem er über “The Naked Now”, das ist der englische Titel, spricht: Richard Rohr
Thich Nhat Hanh: “Die Welt ins Herz schließen”
Thich Nhat Hanh schreibt als Vorwort zu seinem Buch “Die Welt ins Herz schließen”:
Jeder von uns kann etwas tun,
um unseren Planeten zu schützen
und Sorge für ihn zu tragen.
Wir sollten so leben,
dass für unsere Kinder und Enkelkinder
eine Zukunft möglich sein wird.
Unser eigenes Leben muss unsere Botschaft sein.
Imre Kertész: “Dossier K.: Eine Ermittlung”

“Mit «Dossier K.» legt Kertész seine Biografie vor. Zeitzeugenschaft im besten Sinne: von Kertész’ familiären Wurzeln in der versunkenen jüdischen Kultur Vorkriegsungarns über die Schrecken des Nationalsozialismus bis hin zu jenem Leben zwischen stalinistischen Schauprozessen, Aufstand und Diktatur, das Kertész im Budapest des Kalten Krieges führen musste.”
So lautet die Kurzbeschreibung des Verlags. Vordergründig handelt es sich um ein Interwiew, letztlich ist es aber Zeugnis seines Lebens, das sich zur Biografie gestaltet. Mich berührt die Art und Weise, wie K. über seine Erlebnisse berichtet, und vor Allem, welche Distanz er zu seinen eigenen Erlebnissen durch das Verpacken in seine Bücher und Romane bekommt. Und sich dadurch selbst letztlich gerettet hat. Er spricht von Jean Améry’s “Weltvertrauen”, das man braucht, um an Erlebnissen, wie er sie hatte, wie wir sie alle in irgendeiner Form von Schicksalsschlag erleben können, nicht zu Grunde zu gehen. Ein wichtiges Zeugnis für mich!
Wolfgang Neumann/Björn Süfke: “Den Mann zur Sprache bringen – Psychotherapie mit Männern”

Ein Buch, von dem ich gerade sehr profitiere, da die Autoren mit viel Humor und in einer für den Nicht-Therapeuten gut verständlichen Sprache das Dilemma des Mannes bildhaft vor Augen führen. Vor allem die Fallbeispiele aus der eigenen Praxis zeigen, wie die Ansätze, den Mann zum Sprechen/zur Sprache zu bringen gelingen können, um über sich und das, was ihn wirklich bewegt, Auskunft geben zu können. Ich lernte Wolfgang Neumann vor einigen Wochen kennen, als er in der FBS Bonn einen Vortrag hielt. Ich habe ihn fragen können, ob er eine Ahnung davon hat, weshalb sich so wenige Männer trauen, sich auf das Schreiben (kreativ/intuitiv) einzulassen(meine Erfahrung). Er hat mich auf dieses sein Buch hingewiesen, und ich muss sagen, es weitet meinen Horizont.
Alexandra Senfft: “Schweigen tut weh – eine deutsche Familiengeschichte”

Eindrucksvoll setzt sich Alexandra Senfft, Enkelin von Hanns Ludin (ehemals Hitler’s Gesandter in der Slowakei), mit der Geschichte ihrer Familie, insbesondere ihrer Mutter und Großmutter (Ludin’s Ehefrau), auseinander und beleuchtet die Fragen von Schuld und Verantwortung, mit der ihr Großvater seine Kinder und Enkel bis heute beladen hat. Eine beeindruckende Studie, offen und interessant für alle, die sich mit den Folgen des Nazi-Regimes auf ihre Familien und sich selbst befassen. So habe ich als “Kriegsenkel” und Sohn eines “Kriegskinds” (mein Vater war junger Soldat bei der Blockade Leningrads) die Möglichkeit, in die Familienseele dieser hoch belasteten Familie um Hanns Ludin Einblick zu nehmen.





